Geschichte

Lindenthal – Geschichte des Stadtteils

Die Entstehung des Stadtteils Lindenthal reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1843 arbeiteten die beiden Kölner Bürger Thelen und Fühling einen Plan zur Gründung einer Wohnkolonie außerhalb der Stadt Köln aus. Die Wohnkolonie sollte an der nach Düren führenden Landstraße zwischen Lind/Hohenlind und Linderhöhe entstehen und Wohnraum für minderbemittelte Bürger schaffen. Mit ihrem Plan wollten Thelen und Fühling als Gründer eines Kölner Vororts in die Geschichte eingehen. Dass dieser Vorort den Namen „Lindenthal“ erhielt, wird auf zwei Gründe gestützt: zum einen die Lage der Wohnkolonie zwischen Lind/Hohenlind und Linderhöhe (zwischen diesen beiden Höhen muss sich zwangsläufig ein Tal befinden) und zum anderen die Lage der Wohnkolonie an der mit Lindenbäumen bepflanzten Landstraße nach Düren.

Kartenausschnitt_des_Koeln-Lindenthaler_Gebietes_1885Zur Umsetzung ihres Plans erwarben Thelen und Fühling im Bereich der heutigen Dürener Straße, Falkenburg-, Herder- und Theresienstraße zehn Hektar Land, teilten dieses Land in Parzellen ein und legten Kieswege an. Die Parzellen wurden zu günstigen Preisen an Angestellte und Beamte veräußert. Wider Erwarten wurden die Parzellen zunächst nicht mit Wohngebäuden bebaut, sondern als Gärten genutzt, während die Grundstückseigentümer weiterhin in der Stadt wohnten.

Um die Wohnbebauung anzuregen, errichtete Fühling das erste Haus ab dem Jahre1846 an der Dürener Straße. Dieser Zeitpunkt gilt demnach als eigentliche Gründung des neuen Vorortes Lindenthal. In der Folgezeit herrschte eine rege Bautätigkeit. Lindenthal entwickelte sich rasch zu einem sehr begehrten Vorort von Köln. Im Vergleich zu anderen Vororten, die zu derselben Zeit vor den Toren Kölns entstanden, hob sich Lindenthal dadurch ab, dass es ein industriefreies, mit viel Grün ausgestattetes und reines Wohnviertel war.

Wenige Jahre nach seiner Gründung zählte Lindenthal schon 2662 Einwohner. Das war ein Vielfaches der Bewohnerzahl des benachbarten Kriel (126).


Im Jahre 1864 wurde das Bürgermeisteramt der Bürgermeisterei Efferen in die Falkenburg an der Ecke Falkenburgstraße/Krieler Straße verlegt.

Koeln-Lindenthal_Historisches-GebaeudeNach Eingemeindungsverhandlungen zwischen der Bürgermeisterei Efferen und der Stadt Köln wurde Lindenthal im Jahre 1888 nach Köln eingemeindet. Es entstand der Vorort Köln-Lindenthal. Er umfasste – neben dem Kern von Lindenthal – alle Orte der Landgemeinde Kriel sowie Melaten, Weyertal und Linderhöhe (bis dahin Bürgermeisterei Müngersdorf).

Um eine einheitliche Verwaltung im neuen Stadtbezirk zu haben, wurde Lindenthal in drei Bezirke aufgeteilt.

Im Jahre 1894 erwarb die Stadt Köln die Kitschburg mit ihrem englischen Landschaftspark und angrenzenden Ländereien zwischen Dürener und Aachener Straße. Das waren insgesamt 412 Morgen Land. Im folgenden Jahr wurde vom Rat der Stadt Köln beschlossen, das erworbene Gebiet als den Kölner Stadtwald mit Baumbestand, Teichen, Kanälen, Gastronomie, Sport- und Spielanlagen zu gestalten. Die Arbeiten dauerten bis zum Jahre 1910.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch vorhandene Freiflächen bebaut, unter anderem von Wohnbaugesellschaften; teilweise wurden Erstbauten bereits durch Neubauten ersetzt. Die Bebauung folgte grundsätzlich dem Trend, die Wohnhäuser straßenzugweise zu errichten. Entlang des neu angelegten Stadtwaldgürtels wurden aber auch große Villen in parkähnlich angelegten Gärten errichtet.

Im Zweiten Weltkrieg wurden 85% der gesamten Wohnbebauung von Lindenthal zerstört. Lindenthal war damit der am stärksten betroffene Stadtteil Köln (von der Altstadt Köln einmal abgesehen). Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war daher eine enorme Wiederaufbauarbeit zu leisten. Der Wiederaufbau erfolgte zum Teil durch Wiederherrichtung der alten Wohnhäuser und zum Teil durch Errichtung neuer Gebäude; außerdem wurden noch vorhandene Baulücken geschlossen. Die Spuren des letzten Weltkrieges sind heute fast vollständig verschwunden.

Lindenthal ist heute ein äußerst begehrter, lebens- und liebenswerter Teil von Köln mit ca. 141.000 Einwohnern (Stand 2011), vor allem zentral und günstig gelegen, mit großen Grünflächen für die Naherholung, mit herrlichen Einkaufsmöglichkeiten direkt vor Ort, einem vielfältigen Dienstleistungsangebot, das keine Wünsche offen lässt, usw.


Einen hervorragenden Einblick in die geschichtliche Entwicklung von Lindenthal bietet das Werk „Lindenthal – Die Entwicklung eines Kölner Vorortes“ von Konrad Adenauer und Volker Gröbe, herausgegeben vom J. B. Bachem Verlag, 3. Aufl. 2004.

Die obige Darstellung der geschichtlichen Entwicklung von Lindenthal erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Verlages in punktueller Anlehnung an das genannte Werk.